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anonyme Biedermeier Gitarre
Randeinlage und Schalllochring aus
Perlmutt und Ebenholz
Wenn Sie zurückblättern zu meiner Titelseite, dann finden Sie dieses
Instrument unter "Instrumente zu verkaufen" mit Bildern und Texten
beschrieben.
Zur Zeit werden noch letzte Schönheitsarbeiten vorgenommen.
Vorangegangene Restauration:
Gereinigt und Risse geschlossen
Im Urzustand war das Instrument in einem scheinbar guten Zustand. Unter
einer dunklen Schmutzschicht verbargen sich aber Risse, durchbrechende
Bodenbalken und ein schmalgehobelter und verzogener Hals.
Nach der Reinigung der Gitarre wurde der Hals von einem Gitarrenbauer,
der wenig Erfahrung im Restaurieren hatte, wieder auf die ursprüngliche
Breite gebracht und anschließend mit einem sehr dicken
Griffbrett versehen, so dass die Saitenlage wieder annehmbar war.
Die Verbreiterung gelang hervorragend, aber das neue Griffbrett, das
auf den Resten des alten lag wurde so schwer, dass es
durch die erhöhte schwingende Masse einen negativen Einfluss
auf das Klangverhalten hatte. Diese Aufdoppelung musste irgendwann
einmal rückgängig gemacht werden.
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Durchgeführte Restaurationen:
Steg repariert
Kaum war die Gitarre zum ersten Mal nach langer Zeit wieder mit
Saiten bezogen, zerbrach der morsche Ebenholzsteg mit einem lauten
Knall. Spektakulär, aber leicht zu reparieren. Die Teile des Steges,
die Spannung aushalten müssen, wurden ersetzt.
Bodenbalken gekürzt
Meine erste eigenhändige Arbeit an einem historischen Instrument wurde
1999-2000 fällig: Die Bodenbalken, die seitlich durch den Zargen zu brechen
begannen, mussten gekürzt werden. Ein Phänomen, das bei sehr vielen
solcher alten Gitarren auftritt.
Die Arbeiten:
- Die Randeinlage des Bodens wurde abgelöst und zerbrach dabei in
viele kleine Stücke, weil sie völlig morsch war.
- Die Balken wurden mit einer Minifräse um 1,5 mm gekürzt.
- Eine neue Randeinlage aus zwei Lagen Ebenholz wurde gebogen und
eingepasst.
- Anschließend wurde der umgebende Schelllack von Boden und Zargen
angelöst und über die neue Randeinlage gezogen.
Hals restauriert
2002 stellte ich mit einer Röntgenaufnahme fest, dass das aufgesetzte
Griffbrett original war, weil unter dem Griffbrett die Intarsien der
Randverzierung nicht durchgehend waren. Jetzt konnte ich mit guten
(historischen) Gewissen an die Restaurierung des Halses gehen.
Die Arbeiten:
- Die (modernen) Bundstäbchen entfernen.
- Das aufgeplattete Griffbrett abhobeln.
- leichte Korrektur der Halsbiegung.
- Neue Messing-Bundstäbchen (aus dem vollen Material hergestellt)
nach historischem Vorbild eingepasst.
Die Mechanik
Ausnahmsweise war an diesem Bauteil einmal nichts zu restaurieren.
Im Gegenteil, diese Mechanik ist faszinierend, weil sie jetzt
nach etwa 190 Jahren immer noch seidenweich und spielfrei läuft!
Nach der Gravur zu schließen handelt es sich um englische Handarbeit:
die Verzahnungen der eliptischen Wellen und Zahnräder sind einzeln
aufeinander eingeschliffen.
Eine verblüffend ähnliche Form haben heute die Wellen und Zahnräder
der berühmten Rodgers-Mechaniken aus England. Die Optik und die
Laufeigenschaften beider Mechaniken sind sich so ähnlich, dass ich
nicht an einen Zufall glauben kann.
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Ist es eine CHAPELL aus London?
Die Gitarre könnte aus London stammen. Darauf deutet die verwendete
englische Mechanik und typische Verzierungen hin. Wenn sich diese
Annahme bestätigen lässt, wird an dieser Stelle ein Lebenslauf des
Gitarrenbauers stehen.
Seit Mai 2006 ist das Instrument wieder besaitet und wird gespielt.
Spannend war, wie der jetzt viel dünnere Hals sich unter der Saitenspannung
verhält: man kann ohne Saiten oft nicht beurteilen, wie der Hals "kommt"
(er biegt sich leicht), wenn die Saitenspannung ein paar Tage drauf ist.
Glücklicherweise ging dieser Vorgang wunschgemäß von statten.
Das Spielgefühl ist nun völlig neu: der Hals hat endlich eine ideale Form.
Alles geht leichter, obwohl die etwas scharfen Messingbünde
gewöhnungsbedürftig sind. Die neue Leichtigkeit des Greifens überträgt
sich 1:1 auf die Tonbildung. Und hier wirkt sich auch die verringerte
Masse des Halses positiv aus. Es fühlt sich an, als würden alle Töne
schneller einschwingen und länger klingen. Mit anderen Worten: Die
Gitarre hat jetzt klanglich den letzten Schliff bekommen.
Das Instrument wird wieder aktiv gespielt
Seit Anfang 2007 habe ich das Instrument in die Instrumentensammlung
der von mir verwalteten "Walter-Beckert-Stiftung" eingereiht. Im
August 2007 wurde die Gitarre für zunächst sechs Monate einem
Gitarristen aus Zürich ausgeliehen, der sie für Konzerte und eine
geplante Aufnahme nutzen wird.
Informationen zur "Walther-Beckert-Stifung" wird es in Kürze auf meiner
Website geben.
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